Aus eigener Erfahrung …
West-Berlin 1984: Die Mauer steht noch, die Stadt ist ein Rückzugsgebiet für Revoluzzer, Wehrdienstverweigerer und Künstler. Ein Biotop der Unangepassten, die in die Mauerstadt geflüchtet sind, weil es ihnen im übrigen Deutschland zu eng war.
In dieser Zeit finden zwei Menschen zueinander, deren professionelle Partnerschaft seitdem fortbesteht und die jetzt im neuen Jahrtausend zur Chance für eine nächste Generation wird.
Heidi Fleiß und René Hofmann haben ihr Studium zum Produktdesigner beendet und wollen etwas ganz Neues machen. Das Geld ist knapp, aber die Ideen sind groß. Man lebt auf engstem Raum zusammen, bestreitet den Tag und die berühmten Berliner Nächte miteinander. Das Infragestellen gehört zum guten Ton. Warum muss Musik wie Musik klingen? Warum muss Mode wie Mode aussehen? Warum muss Schmuck unbedingt aus Gold und Edelsteinen sein? Besonders die Gestaltung von Schmuck hat es ihnen angetan. Und ihr Ziel wird es, „anderen“ Schmuck zu kreieren, neue, ungewöhnliche Materialien zu verwenden und dazu passende Formen zu finden.
Eine Idee dazu haben sie, als sie eines Morgens nach einer Party in der Küche ihrer WG vor einem Scherbenhaufen aus Flaschen und Gläsern stehen: Schmuck aus Glas zu machen. Während sie in den folgenden Jahren erfolgreich aus vielen anderen Materialen Schmuck hergestellt haben, bleibt dieser Wunsch bis heute erhalten.
… Erfahrung für andere schaffen.
Was Mitte der 80er Jahre mit der Idee, einfach „anderen“ Schmuck zu entwerfen begann, wurde für die beiden jungen Designer zu einer Erfolgsgeschichte. Eine, die jedoch ihre Zeit brauchte, die voller Hindernisse und Umwege war.
Heute fragen sie sich, ob es nicht ein wenig einfacher hätte sein können. „Das Glück, jung und unverbraucht zu sein, machen zu können, was einem ein- und gefällt, nutzt oft nichts, wenn das Umfeld nicht stimmt“, meint Heidi Fleiß.
Dieses passende Umfeld fanden sie und René Hofmann nach ihrer Berliner Zeit bei dem Schmuckhersteller bastian in Bremen, für den sie seit Jahren als Hausdesigner arbeiten.
Durch bastian und dessen unternehmerischen Mut haben beide jetzt die Möglichkeit, anderen Designern die Chancen zu bieten, die sie selbst gern gehabt hätten.
Ihre Idee: eine Designer-Ateliergemeinschaft, in der begabte Newcomer ein Jahr lang arbeiten können, in der sie ihre Träume und Ideen mit professioneller Ausstattung und Hilfe und ohne wirtschaftliche Zwänge verwirklichen können.
„Unser Wunsch ist es, Menschen mit frischen Ideen an die Hand, oder besser an die lange Leine zu nehmen, und sie in einem fruchtbaren Umfeld wachsen zu sehen“ sagt Heidi Fleiß. Die Jungdesigner sollen aus ganz Europa kommen und dort leben und arbeiten, wo für Heidi und René alles begann: in Berlin.
Gemeinsam mit der Geschäftsführung von bastian erarbeitete man ein Konzept, das 2009 unter dem Namen „Spreeglanz“ das Licht der Welt erblickte.
